Rocken wie die Wikinger – BOA 2019

BOA 2019 – Banner

Ende August steht immer ein besonderes Highlight auf dem Festivalkalender. Das Baltic Open Air im Hohen Norden Deutschlands. Diesmal war uns auch der Wettergott gewogen und wir hatten Sonnenschein die ganze Zeit. Auf den Zeltplätzen und auf dem Festivalgelände kam es einem so vor, als wenn alle nur auf den Hauptact am Samstag, Frey·Wild, warten würden, so viele T-Shirts, Flaggen und Aufkleber konnte man sehen. Doch es gab viel mehr auf dem Festival zu sehen und zu hören. Also, seid gespannt.

Donnerstag

BOA 2019 – Zeltplatz

Donnerstag war mein Anreisetag. Als ich abends ankam, waren die Zeltplätze C1 und C2 schon recht gut gefüllt. Trotzdem wurde ich auf C2 mit den aufmunternden Worten: „Du findest da bestimmt noch ein Plätzchen für Dich.“ geschickt. So kurvte ich auf dem Campingplatz umher und meine Laune sank immer mehr, denn es schien kein Platz mehr zu finden zu sein. Doch plötzlich tauchten zwei nette Mädels vor mir auf, die gerade beim Zeltaufbau waren und noch ein wenig Platz hatten. Ich fragte sie, ob ich mich dazu stellen könne und sie hießen mich willkommen. Nach ein paar Umsortierungsmaßnahmen standen wir zusammen auf dem Platz und konnten den netten Abend noch genießen. Vielen Dank nochmal an Talika und Nadescha!!!

Zur Einstimmung auf das Festival bin ich dann zur Viking Stage gegangen, die schon am Donnerstag bespielt wird und außerhalb des eigentlichen Open Air Geländes liegt. Im Gegensatz zum Vorjahr gab es kein Fahrgeschäft mehr auf dem Vorplatz. Dafür aber ein riesiger Truck mit Frey·Wild-Merchandise. Auf der Bühne gegenüber ging die Post ab. Die Hannes Wendt-Band hatte ihren Auftritt. Der Musikstil von Rock’n’Roll bis Reggae, aber nicht wirklich festgelegt. Es war eine Party für die Ohren und die Augen. So wurden die Stücke auch mit der Kleidung in Einklang gebracht. Mal war ein Musiker in Frauenkleidern unterwegs und mal wurden die Rastalocken herausgeholt, um gehörig Spaß zu verbreiten. Zum Abschluss und als Zugabe kam der Dylan-Klassiker „Like a Rolling Stone“ an die Reihe. Dann war es für mich an der Zeit, mein Zelt aufzusuchen und mich für den nächsten Tag wieder fit zu bekommen.

BOA 2019 – Hannes Wendt Band

Freitag

Festivalkarte – Headbangers Open Air 2005

An nächsten Tag schien die Sonne schon früh am Morgen und so trieb sie mich aus dem immer wärmer werdenden Zelt. Mit einem belegten Brötchen und einem Kaffee begann der Tag ganz entspannt. Auch meine Zeltnachbaren waren auf den Beinen und so plauderten wir über dies und das. Da sie aus dem Hamburger Umland kamen, erzählten sie mir, dass sie zwar das erste Mal auf dem BOA waren, aber sonst das Headbangers Open Air in Brande-Hörnerkirchen besuchten. Dort war ich auch schon einmal gewesen, nämlich 2005. Damals gab es Metallplatten als Eintrittskarten. Heute leider nicht mehr, aber wenn man als Festival wächst, ist das ja auch ein Kostenfaktor bei immer mehr Besuchern. Jedenfalls werde ich es wieder auf meine Lister der zu besuchenden Festivals schreiben.

BOA 2019 – Zaunpfahl

Mein erstes Konzert am Freitag war der Auftritt von Zaunpfahl, einer Punkrockband aus Teterow, Mecklenburg-Vorpommern. Schade, das zu dem Zeitpunkt noch nicht so viele Zuschauer da waren, denn mit ihren auf Deutsch gesungenen Liedern haben sie das Publikum begeistern können. So bekam man Stücke wie „Das Leben ist schön“, „Terrorist“ und zum Abschluss „Warum (sind schöne Tage so schnell um)“ zu hören. So ging die Show auch viel zu schnell vorbei.

Mein persönliches Highlight des Festivals hatte seinen Auftritt am frühen Freitagabend auf der Odin Stage. Es kam Ensiferum auf die Bühne! Die Viking-Metaller aus Finnland gaben Stücke von ihrem aktuellen Longplayer „Two Paths“ zum Besten, aber auch älter Stücke z. B. das Schlusslied der Show „Lai, Lai, Hei“ vom ihrem 2. Album „Iron“. Das sich die Finnen nicht nur auf ernste Gesänge verstehen, sondern auch Späße machen können, bewiesen sie mit einer Diskoeinlage zu einem ihrer Songs. Auch zeigte Markus Toivonen, dass er über Kopf Gitarre spielend auch noch Bier trinken kann. Mit ihren epischen Songs konnten sie die Zeit der Wikinger wiederauferstehen lassen und somit perfekt den Ort des Festivals, das Wikingerland Haddeby, zum Leben erwecken.

BOA 2019 – Ensiferum – Markus Toivonen
BOA 2019 – Primal Fear

Die nächste Band auf der Thor Stage war die Band Primal Fear. Die Band um Sänger Ralf Scheepers heizte den Zuschauern, an dem kühl gewordenen Abend, mit ihrem Power Metal gehörig ein. Zum Abschluss sandten sie mit dem Song „Metal is forever“ nochmals ein eindeutiges Signal hinaus, das trotz beständigem Wandel in der Musiklandschaft, der Metal eine beständige Größe ist und bleibt.

BOA 2019 – Accept – Mark Tornillo

Anschließend standen Accept auf der Odin Stage, die Headliner am Freitag. Als eine der ältesten Rockbands Deutschlands ließen sie mit ihren Songs den Festivalboden erzittern und die Fans mitgrölen. Eine Show geprägt von schnellen Gitarrenriffs und dem treibenden Rhythmus der Drums.

Zum Abschluss meines Tages gab es Schandmaul auf der Thors Stage. Die Apokalyptischen Reiter hatten leider die Teilnahme kurzfristig abgesagt. Die Band um Frontmann Thomas Lindner macht Mittelalter-Rock vom feinsten. So kommen auch mittelalterliche Instrumente wie Drehleier, Dudelsack und verschiedene Pfeifen zum Einsatz, die, zusammen mit Gitarre und Schlagzeug den typischen Sound erzeugen. Themen für die Lieder sind mittelalterliche Geschichten, aber auch Märchen. So gibt es vom „Froschkönig“ eine Abwandlung mit alternativem Ende. Bei ihrem Auftritt hatten sie Lieder des aktuellen Albums „Artus“, wie „Der Totengräber“ und „Auf und davon“ im Gepäck. Auch wurden Lieder von älteren Alben gespielt, wie zum Beispiel „Teufelsweib“ vom Album „Wahre Helden“ und „Walpurgisnacht“ vom Album „Narrenkönig“. Am Ende gab es noch eine gefühlvolle Ballade, bei denen die Flammen der Feuerzeuge des Publikums sich zu einem sanften Lichtermeer fügten. Ein wundervoller Abschluss für den Tag.

BOA 2019 – Schandmaul – Saskia Forkert

Samstag

Die Sonne hat mich auch am Samstag mit ihrer Wärme aus dem Zelt getrieben. Gute Gewohnheiten sollte man nicht vorschnell aufgeben und so startete ich den Tag wieder mit einem Kaffee und einem belegten Brötchen. Einfach herrlich.

Da mir die Batterien für meine Fotoapparat ausgegangen waren, musste ich neue besorgen. Da kam es mir gut zu pass, dass es einen Busshuttle zum nächstgelegenen Ort gab. Also eingestiegen und bei EDEKA „Fick“ wieder raus (ja so heißt er wirklich). Im Laden gab es alles, was den Festivalbesucher erfreuen konnte. So konnte ich auch meine Batterien erwerben und es ging wieder zurück zum Festivalgelände. Es war eine super Einrichtung, der Busshuttle, so brauchte ich nicht mit dem Auto los und einige konnten ja auch nicht mehr Auto fahren und schätzten so den Shuttle.

Derweil war auf der Viking Stage der Wet-T-Shirt-Contest, den ich leider verpasst hatte. Das habe ich dann auch mit meinen Mädels vom Nachbarzelt besprochen und sie hatten eine super Idee zum Thema Gleichberechtigung. Kann man vielleicht beim nächsten Open Air ein Wet-Shorts-Contest abhalten, um auch den Spaß für die weibliche Hälfte der Festivalbesucher zu erhöhen? Das wäre doch mal etwas Neues!

BOA 2019 – Wikingerkampf

Die Zeit bis zum ersten Auftritt des Tages habe ich damit verbracht, ein wenig auf dem Wikingermarkt und auf dem Wikingergelände herumzulaufen. Zufällig bin ich auf den Schaukampf der Wikinger gestoßen. Das war sehr interessant, denn sie kämpften in der prallen Sonne mit ihren Rüstungen in Zweikämpfen miteinander. Schade war nur, dass so wenige Besucher anwesend waren. Vielleicht wäre eine Info in der Festivalzeitung zu Ort und Zeit hilfreich gewesen.

BOA 2019 – Die Stromies – Waldi

Die erste Band am Samstag war für mich Die Stromies aus Eckernförde. Deutschsprachiger Rock mit norddeutschem Einschlag. Schon der Soundcheck vor dem eigentlichen Beginn des Konzerts war super, denn sie interagierten auf lustige Weise mit dem herumstehenden Publikum. Sie waren nun das 3. Mal auf dem BOA und so kannten etliche Besucher die Band und ihre Lieder. Die lustige Art drückte sich auch in ihren Liedern aus. So gaben sie „Martina hat Katzenhaar“ oder „Captain mit Sprite und Cola mit Korn“ zum Besten.

BOA 2019 – Canterra – Korinna König

Der nächste Act wurde als deutscher Vertreter des Symphonic Metal, mit einer Stimme wie Tarja Turunen, angekündigt. Ich war darum sehr gespannt auf Canterra, habe ich doch früher auch gerne mal Nightwish oder Within Temptation gehört. Es war ihr erster Auftritt auf dem Baltic Open Air. Dann ging es los und ja, die Stimme von Frontfrau Korinna König konnte dem Vergleich mit anderen Größen des Genres standhalten. Auch die Lieder, bei denen Gitarrist Hendrik Zantop mit Growls unterstützte, waren sehr gut anzuhören. Ich hatte aber bei einigen Liedern den Eindruck, dass Gesang und Musik nicht zusammenpassten. So war es eher bei den neueren Liedern, wie zum Beispiel „Come with me“ und „Save my life“. Bei älteren Stücken ging dann wirklich die Post ab, wie zum Beispiel „Wild fury“ (in doppelter Geschwindigkeit gespielt) und „The hunt“. Insgesamt hat es mir gut gefallen, aber Canterra hat live noch nicht den hohen Stand erreicht, wie ihn andere dieser Zunft vorgeben.

BOA 2019 – Frei.Wild – Philipp Burger

Wie schon am Anfang und während des Festivals vermutet, sind sehr viele Fans der Band Frei·Wild zum BOA 2019 gekommen, um sie sich anzuschauen. Eine viertel Stunde vor Start des Konzerts warteten noch sehr viele Festivalbesucher vor dem Einlass. Auch vor der Bühne war alles voll mit Fans. Es war kaum ein Durchkommen. Unglaublich! Die Show, die sie dann auch abgezogen haben, war gigantisch. Es gab eine Pyroshow, bei der den Fans im wahrsten Sinn des Wortes eingeheizt wurde. Aber auch Frontmann Philipp Burger heizte allen Anwesenden mit Liedern wie „Der Teufel trägt Geweih“, Zieh mit den Göttern“, „Susi“ und „Feuer, Wasser, Erde, Luft“ gehörig ein. Viele der Anwesenden kannten die Texte und habe ordentlich mitgesungen. Am Ende des Auftritts kam auch noch Veranstalter Daniel Spinler auf die Bühne und hat alle Anwesenden zur Jubiläumsausgabe des Baltic Open Air 2020, es ist das 10. Mal, eingeladen.

Als Abschluss des BOA habe ich mir dann noch John Diva and the Rockets of Love angeschaut. Das musste einfach sein, weil der Bühnenauftritt einfach Spaß macht. So hatte ich sie 2016 in Wacken live erleben dürfen und wollte sie deshalb auf dem BOA nochmals sehen. Auf der Bühne stand in großen Buchstaben geschrieben „MAMA SAID ROCK IS DEAD“ und John Diva bewies das Gegenteil. Er rockte mit seinen Bandkollegen die Bühne! Ein toller Abschluss des Festivals.

BOA 2019 – John Diva and the Rockets of Love

Fazit

Mir hat es dieses Jahr wieder auf dem Baltic Open Air sehr gut gefallen. Es hat alles gestimmt. Das Wetter, die Bandauswahl, die Stimmung auf dem Zeltgelände und dem Festivalgelände und auch alle Mitarbeiter und Helfer! Ich komme auf jeden Fall nächstes Mal wieder, zum 10-jährigen Jubiläumsfestival! Kommt auch Ihr!

BOA 2019 – Abendstimmung

Wikinger, wir sehen uns beim 10. BOA!

© Rene Klieckmann, MetalBuzz.eu, 2019

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